Diakon Karl Wodak



Aus der Zeitung für Schwechat "Das Gespräch" 
Februar 2002.

Wir sprachen mit: Diakon Karl Wodak anlässlich seiner Ernennung zum „Geistlichen Rat", wozu ihm die Redaktion des Gesprächs herzlich gratuliert.

Gespräch: Kürzlich wurdest du zum Geistlichen Rat ernannt. Wir gratulieren hiezu herzlich und hoffen, dass deine Arbeit noch mehr Früchte tragen möge. Der Auslöser kann in deinem Einsatz um die Wanderflüchtlinge gesehen werden. Worum handelt es sich hiebei?

Karl Wodak: In den Jahren 97, 98 und 99 wurden in Kledering je 10 männliche Flüchtlinge aufgenommen. Für diese Menschen hat die Caritas in Wien keine Unterkunft mehr gefunden. Würden wir sie nicht aufnehmen stünden sie auf der Strasse. Die Kapazitäten der Caritas in Wien sind eben auch nicht unbegrenzt. Die umliegenden Pfarren wurden daher gebeten, diesen ärmsten der Armen eine Schlafstelle zu bieten. Während des Tages sind diese Flüchtlinge auf sich gestellt. Erst ab 1700h können sie in das Heim und müssen es ab 0800h wieder verlassen. Tagsüber sind sie auf sich gestellt. Abends bekommen sie ein Nachtmahl, für das freundlicherweise die Stadtgemeinde Schwechat aufkommt. Zwischen Oktober und Mai läuft diese Aktion. In dieser Zeitspanne sind die Flüchtlinge jeweils für 14 Tage in einer anderen Pfarre untergebracht. Als sie bei uns in Kledering waren, wurden sie in der Pension Sprinzl bestens aufgenommen und erhielten hier auch das Frühstück.
G: Aus welchen Teilen der Welt kommen diese Flüchtlinge? Kann sich das die Pfarre aussuchen?
KW: Nein, das kann nicht beeinflusst werden. Daher sind die Flüchtlinge eine bunt zusammen gewürfelte Schar aus aller Herren Länder. Ein Problem ergibt sich natürlich mit der Sprache, da die Flüchtlinge nicht deutsch können. Die Verständigung erfolgt in den gängigen Sprachen, sonst mit Zeichen, sprich mit Händen und Füssen.
G: Hattet ihr in Kledering Probleme mit ihnen?
KW: Nein, nicht die leisesten. Im Gegenteil, sie wurden von den Klederingern herzlich aufgenommen. Einmal hat uns allerdings die Polizei in Wien „vorsichtshalber" zwei Farbige festgenommen, die wir erst nach Intervention wieder frei bekommen haben. Sonst gab es keinerlei Anstände, da sich die Flüchtlinge sehr gut eingefügt haben. Manche Flüchtlinge haben sich noch Jahre nachher bei uns gemeldet. Der Aufenthalt in der Pension Sprinzl dürfte für viele ein einmaliges Erlebnis in ihrem Leben dargestellt haben.
G: Seither wird diese Aktion nicht mehrfortgeführt?
KW: Sie dauert noch immer an. Die Flüchtlingsströme reißen nicht ab. Aber seit meine Frau Maria verstorben ist, fehlt mir eine wesentliche Stütze, um dieses Werk fort zu führen. Erfreulicherweise haben die Rannersdorfer sofort ihre Unterstützung angeboten und seitdem werden die Wanderflüchtlinge dort aufgenommen und bestens umsorgt. Die Organisation wurde von den Rannersdorfer Frauen übernommen, das Abendessen kommt vom Gasthof Kraut und wird von der Gemeinde Schwechat finanziert. So kann weiterhin ein kleiner Beitrag zur Linderung der unermesslichen Not beigetragen werden.
G: Worauf warten diese Flüchtlinge?
KW: Auf die Erledigung ihrer behördlichen Verfahren, in der Regel um Gewährung von Asyl oder die Ausreiseerlaubnis in einen anderen Staat zB zu ihren Familien.
G: Diese Aufgabe ist nur eine von vielen. Du bist in Kledering auch Mitglied bei der Feuerwehr. Was machst du da?
KW: Ich bin Feuerwehrkurat und betreue die Feuerwehrmänner. Dies erfolgt in der Regel in Gesprächen, zB nach einem Einsatz, der für den Einzelnen eine besondere Herausforderung dargestellt hat. Im Nachhinein treten dann die existenziellen Fragen auf zB über den Sinn des Lebens oder warum konnte ich nicht mehr helfen? Das ist für den Hilfeleister eine enorme Belastung, die er ohne beratendes Gespräch kaum bewältigen kann. Aus diesem Grund bin ich möglichst viel meiner Zeit bei der Feuerwehr und helfe auch manchmal bei Einsätzen mit. Ich habe die vollständige Ausrüstung und darf daher auch bei Unfällen dabei sein. Da habe ich dann den Verunfallten zu betreuen, während meine Kollegen sie aus dem beschädigten Fahrzeug herausschneiden.
G: Dir liegen die Feuerwehr und deine Kollegen sehr am Herzen. Ist dann überhaupt noch Zeitfür die seelsorgliche Arbeit?
KW: Natürlich, auch wenn das sicherlich die schwierigste Aufgabe ist. Hiebei verfolge ich ein eigenes Konzept. Ich suche jene Personen auf, von denen ich annehme, dass sie meiner Unterstützung am meisten bedürfen. Das ist deswegen möglich, weil in dieser kleinen Gemeinschaft die zwischenmenschliche Beziehung noch weitgehend funktioniert. Dies beruht auf dem Konzept, wonach die Kirche zum Menschen kommen muss und nicht gewartet werden kann, bis der Suchende zu ihr kommt. Aus diesem Grund bin ich auch kaum zu Hause anzutreffen, sondern zB bei Kranken, Alleinstehenden, Armen oder Zugezogenen. In der kleinen pfarrlichen Gemeinde Kledering mit vielen Einfamilienhäusern ist das möglich, wenn es auch sehr zeitaufwendig ist und nicht sicherstellt, dass alle Bedürftigen tatsächlich aufgesucht werden können. Meine Aufgabe besteht fast nur im Zuhören, einer ganz wesentlichen zwischenmenschlichen Funktion, die heute leider nur zu oft vernachlässigt wird.
In den Wohnblöcken ist mir der Zugang zu den Menschen fast vollständig verwehrt. Nicht nur, dass die Haustore fast immer versperrt sind und daher ein zufälliger Besuch ausgeschlossen ist. Andererseits dürfte diesen Menschen der Kontakt mit der örtlichen Bevölkerung nicht am Herzen liegen, falls sie ihn nicht geradewegs ablehnen. Die Gleichgültigkeit dem Nächsten gegenüber ist derart ausgeprägt, dass auch mir die Möglichkeit der Kontaktaufnahme enorm erschwert wird.
G: Wir wünschen dir weiterhin viel Freude in deinen vielfältigen Tätigkeitsbereichen, von denen wir nur einige gestreift haben und damit dokumentieren, dass du zu recht zum Geistlichen Rat ernannt wurdest. Wir freuen uns daher mit all deinen Freunden über diese Auszeichnung.

Das Gespräch wurde von Rudi Donninger geführt. Wer mit dem Geistlichen Rat Karl Wodak in Kontakt treten möchte, hier seine Tel Nr.: 0676 705 6 998.