70 JAHRE PFARRE RANNERSDORF 17. 1. 2016

FRANZ RUSS
G R Ü N D U N G S F E S T
70 JAHRE PFARRE RANNERSDORF 17. 1. 2016
Wir sind nur mehr eine kleine Schar Überlebender die vom Anfang an, das heißt sofort nach Kriegsende im Mai 1945, damals in einem Alter von 7-14 Jahren dabei waren und die nicht darüber nachdachten warum Rannersdorf keine Kirche hatte und keine Pfarre war, von der Größe des Ortes her eigentlich unverständlich. Es gab nur einen Kirchturm mit Kapelle im Wallhof.
Der Wallhof ist ein Gutshof der seit dem 12. Jhd. besteht und der urkundlich erstmals 1615 erwähnt wird. Seit 1661 war dieser Gutshof im Besitze des Predigerordens, besser bekannt als Dominikaner-Orden.
Ein Jahr später errichtete der Orden einen Kirchturm mit Kapelle. Dieser Turm wurde im Jahre 1866 um ein Stockwerk erhöht und mit einem neuen Turmkreuz ausgestattet. Die Kapelle war in erster Linie für das Personal des Gutshofes gedacht und weniger als Seelsorgestation für den Ort bestimmt.
Im Jahre 1899 wurde der Gutshof mit Turm und Kapelle vom Orden an die Gastwirte-Genossenschafts- Brauerei verkauft, die wieder nach wirtschaftlichen Problemen die Brauerei und den Gutshof im Jahre 1905 an die Stadt Wien unter Bürgermeister Lueger verkaufte. Die Brauerei wurde von der Gemeinde Wien unter dem Namen „Wiener Stadtbräu“ bis zum Jahre 1961 geführt und dann geschlossen. In unserem Ort gab es noch eine Chemische Fabrik und einen zweiten großen Gutshof mit vielen Landarbeitern und noch mehr Saisonarbeitern, aber mit nur wenigen Bauern, die normalerweise das kulturelle und kirchliche Leben in einem Dorf prägen.
Während unserer Volksschulzeit fand der Religionsunterricht in der Schule statt und fallweise gab es in der Kapelle des Wallhofes eine Sonntagsmesse, die vom Herrn Pfarrer Stretter von Zwölfaxing gelesen wurde. Die Erstkommunion empfingen wir in der Pfarrkirche Schwechat.
Umso höher ist die großherzige Schenkung des Ehepaares Maria und Lukas Kimmerl einzuschätzen, die einen Bauernhof mit Feldern testamentarisch gestiftet haben zum Zwecke der Errichtung einer Kirche.

Während des Krieges von 1939 bis 1945 war in der Pfarre Schwechat Dominik Poppen, von den Oblaten des hl. Franz von Sales, als Kaplan tätig. Er war für die Jugendarbeit, aber auch für die Filialkirche Kledering zuständig. Ihm war natürlich auch die Situation in Rannersdorf bekannt. In der schwierigsten Zeit des Krieges begann er in einem Raum des vererbten Bauernhofes, einem ehemaligen Hasenstall, mit dem Aufbau einer Kapelle. Sein Mut war zu bewundern, wurde er doch wegen der Jugendarbeit sechsmal zum Verhör zur Gestapo auf den Morzinplatz in Wien vorgeladen.
Gegen Ende des Krieges kehrten alle Kinder und Jugendlichen, die wegen der Bombenangriffe mit der Schule in KLV-Lagern (Kinderland-Verschickungslagern) waren, zurück.
April 1945-Kriegsende, wir waren wieder Österreich, das kirchliche Leben in Rannersdorf beginnt. Es waren viele Kinder und Jugendliche da. Für die Buben wurde eine Pfadfindergruppe gegründet, die Mädchen waren bei der Jungschar, ein Kirchenchor wurde gebildet, Kirchenrat und Pfarrbeirat aufgebaut.
1946 wurde Rannersdorf zur Pfarre erhoben und P. Dominik zum ersten Pfarrer ernannt.
Im ehemaligen Bauernhaus wurde eine Wohnung frei und die Kapelle konnte vergrößert werden. Es wurde viel gebaut, P. Dominik war ein begeisterter Maurer und Jung und Alt halfen mit.
Im ehemaligen Heustadel wurde eine Decke eingezogen, unten wurden Jugendheime und oben ein Pfarrsaal eingebaut und schließlich 1948 die Kirche gebaut.